Pflanzenfarben: wie Teppiche mit Pflanzen gefärbt werden
Pflanzengefärbte Teppiche bekommen ihre Farben aus Wurzeln, Blättern, Kräutern und Fruchtschalen: Krapp gibt Rot, Indigo Blau, Reseda Gelb, Granatapfelschale Khaki und Grau. Gefärbt wird die gesponnene Wolle vor dem Weben, meist nach einer Beize mit Alaun, damit die Farbe auf der Faser hält. So entstehen lebendige Töne, die leicht wechseln und mit den Jahren weicher werden.
Welche Pflanze gibt welche Farbe?
Die Palette der Pflanzenfarben ist kleiner, als man denkt. Aus wenigen Färbepflanzen entstehen durch Mischen, Überfärben und verschiedene Beizen erstaunlich viele Töne. Die Tabelle zeigt die Farbquellen, die bei den pflanzengefärbten Kelims von Kelimin vorkommen.
Grün gibt es in der Natur übrigens kaum als haltbaren Farbstoff. Es entsteht fast immer aus zwei Schritten: erst Gelb, dann Blau darüber, oder umgekehrt.
| Farbe | Färbepflanze | Verwendeter Teil | Gut zu wissen |
|---|---|---|---|
| Rot, Rosa, Pfirsich | Krapp | Wurzel | braucht eine Beize, meist Alaun |
| Gelb, Creme | Reseda (Färberwau) | ganzes Kraut mit Blüten | braucht eine Beize, meist Alaun |
| Blau | Indigo | Blätter | Küpenfarbstoff, ohne Beize |
| Grün | Reseda und Indigo | beide nacheinander | zweimal gefärbt |
| Khaki, Grau | Granatapfelschale | getrocknete Fruchtschale | mit Eisen dunkler und grauer |
| Braun | Walnussschale | grüne Fruchtschale | gerbstoffreich |
| Weiß, Creme, Braun, Schwarz | keine | ungefärbte Wolle | die Naturfarben der Schafe |
Wie läuft das Färben mit Pflanzen ab?
Gefärbt wird nicht der fertige Teppich, sondern das Garn. Die Wolle wird gesponnen, zu Strängen gewickelt und erst dann ins Farbbad gelegt. Erst wenn alle Farben fertig sind, beginnt das Weben.
- Waschen: Die Wolle wird gewaschen, damit Schmutz die Farbe nicht ungleichmäßig macht.
- Beizen: Das Garn wird in einem Bad mit einem Mineralsalz erhitzt, meist Alaun. Die Beize verbindet später Farbstoff und Faser.
- Farbbad: Wurzeln, Kräuter oder Schalen werden zerkleinert und ausgekocht, dann zieht das Garn im warmen Sud die Farbe auf.
- Überfärben: Für Grün oder dunkle Töne geht das Garn ein zweites Mal ins Bad.
- Spülen und Trocknen: Das Garn wird gespült und an der Luft getrocknet.
- Weben: Erst jetzt kommen die gefärbten Garne auf den Webstuhl.
Warum braucht man eine Beize?
Die meisten Pflanzenfarbstoffe haften von sich aus schlecht auf Wolle. Eine Beize aus einem Mineralsalz baut eine Brücke zwischen Faser und Farbstoff, so wird die Farbe kräftiger und hält beim Gebrauch. Üblich sind Alaun für klare Töne und Eisen für dunklere, gedämpfte Töne.
Indigo ist die große Ausnahme: Es braucht keine Beize, sondern wird in einer Küpe gefärbt. Wie das genau funktioniert, steht im Ratgeber zu Indigo. Mehr zu Alaun und Eisen erklärt der Beitrag über Beizen.
Pflanzenfarbe oder synthetische Farbe: kann man das sehen?
Ehrlich gesagt: nicht sicher. Sichere Gewissheit gibt nur eine Laboranalyse. Synthetische Farbstoffe werden in der Handweberei schon seit über hundert Jahren verwendet, und auch sie können in kleinen Partien gefärbt sein und leicht wechselnde Töne zeigen.
Es gibt Hinweise. Pflanzenfarben verblassen oft sanft zu einem weicheren Ton. Sehr grelle, völlig gleichmäßige Pink-, Lila- oder Orangetöne sprechen eher für synthetische Farbe. Am Ende zählt die Angabe dessen, der gefärbt hat. Darum verlassen wir uns bei Kelimin nicht auf den Augenschein, sondern auf die Angaben zu jedem einzelnen Teppich.
Wie verhalten sich Pflanzenfarben im Alltag?
Pflanzenfarben sind lebendig, aber sie wollen ein wenig Rücksicht. Starke, direkte Sonne über viele Monate lässt sie verblassen, so wie auch die Naturfarben der Wolle. Ein Platz ohne dauerhafte Mittagssonne hält die Farben länger frisch.
Wasser ist der zweite Punkt. Rot aus Krapp und Blau aus Indigo können im nassen Zustand etwas ausbluten, vor allem dort, wo dunkle Farbe an Weiß grenzt. Flecken daher nur mit kaltem oder lauwarmem Wasser abtupfen, nie heiß, nie einweichen. Vorher hilft ein Test mit einem feuchten weißen Tuch an einer unauffälligen Stelle.
Häufige Fragen
Sind Pflanzenfarben lichtecht?
Gut gebeizte Pflanzenfarben halten viele Jahre, verblassen aber in starker Dauersonne langsam. Meist werden sie dabei weicher im Ton; Mischfarben wie Grün können sich verschieben, weil Gelb oft schneller verblasst als Blau.
Färbt ein pflanzengefärbter Teppich ab?
Trocken in der Regel nicht. Nass können besonders Rot und Indigo etwas ausbluten, darum Flecken nur kalt abtupfen und den Teppich nie einweichen.
Heißt pflanzengefärbt, dass keine Chemikalien im Spiel sind?
Nein. Die Beizen Alaun und Eisen sind mineralische Salze. Richtig ist: Die Farbstoffe kommen aus Pflanzen, und die Teppiche von Kelimin haben keine chemische Ausrüstung.
Warum sieht die Farbe in Streifen leicht unterschiedlich aus?
Das ist Abrasch: Garn aus verschiedenen kleinen Farbbädern fällt nie ganz gleich aus. Es zeigt Handarbeit, ist aber kein Beweis für Pflanzenfarbe.
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