Abrasch: warum die Farbe im Kelim leicht wechselt
Abrasch (auch Abrash geschrieben) sind sanfte Farbwechsel in einer Fläche, die eigentlich eine Farbe hat. Sie entstehen, weil Garn in kleinen Partien gefärbt oder gesponnen wird und jede Partie etwas anders ausfällt. Beim Weben wechselt die Partie, und im Teppich zeigt sich ein Streifen im leicht anderen Ton. Abrasch ist kein Fehler, sondern ein Zeichen von Handarbeit.
Wie sieht Abrasch aus?
Typisch sind quer verlaufende Bänder: Ein rotes Feld wird nach oben hin etwas heller oder dunkler, ein blauer Grund zeigt Streifen in leicht anderem Blau. Manchmal ist der Wechsel kaum zu sehen, manchmal deutlich.
Dass die Bänder quer liegen, hat einen einfachen Grund. Ein Kelim wird Reihe für Reihe von unten nach oben gewebt. Wenn ein neuer Strang Garn ins Spiel kommt, gilt er für die Breite, an der gerade gearbeitet wird.
Woher kommt Abrasch?
Es gibt mehrere Ursachen, die oft zusammenkommen:
- Kleine Farbbäder: Jedes Bad fällt etwas anders aus, je nach Menge der Pflanze, Temperatur und Zeit.
- Unterschiedliche Wolle: Wolle aus verschiedenen Partien nimmt Farbe unterschiedlich stark auf.
- Naturfarben der Schafe: Auch ungefärbte Wolle schwankt von Vlies zu Vlies im Ton.
- Handgesponnenes Garn: Es ist mal etwas dicker, mal dünner und nimmt Farbe dadurch ungleich an.
- Nachgefärbtes Garn: Reicht ein Strang nicht, wird neu gefärbt, und ganz gleich wird es nie.
Abrasch bei Pflanzenfarben und bei ungefärbter Wolle
Bei Pflanzenfarben kommt eine weitere Quelle dazu: Die Pflanze selbst ist nie gleich. Wie viel Farbstoff eine Krappwurzel oder ein Reseda-Kraut enthält, hängt von Ernte, Alter und Trocknung ab. Selbst mit demselben Rezept wird jedes Bad etwas anders.
Bei ungefärbter Wolle entsteht Abrasch ganz ohne Farbbad. Die Naturfarben der Schafe reichen von Cremeweiß über Beige bis Braun und Schwarz, und schon zwei helle Vliese sind selten genau gleich. Ein naturbelassener Kelim zeigt deshalb oft feine Tonwechsel im hellen Grund.
Ist Abrasch ein Fehler?
Nein. Bei maschinell gefärbtem, maschinell gesponnenem Garn wäre jede Fläche völlig gleich. Ein handgewebter Kelim lebt davon, dass das nicht so ist. Viele Liebhaber schätzen Abrasch gerade, weil es eine Fläche lebendig macht und zeigt, dass hier Menschen in kleinen Mengen gearbeitet haben.
Weil jedes Farbbad und jeder Strang anders ist, sieht auch jeder Teppich anders aus. Das ist ein Grund, warum jedes Stück ein Einzelstück ist.
Ist Abrasch ein Beweis für Pflanzenfarbe?
Nein, und das wird oft falsch behauptet. Abrasch zeigt, dass in kleinen Partien gefärbt wurde oder die Wolle von Natur aus schwankt. Auch synthetische Farbstoffe geben Abrasch, wenn sie in kleinen Bädern verwendet werden.
Ob ein Teppich mit Pflanzen gefärbt ist, lässt sich am Aussehen nicht sicher sagen. Sicher ist nur eine Laboranalyse oder die Angabe dessen, der gefärbt hat.
| Aussage | Stimmt das? |
|---|---|
| Abrasch zeigt Handarbeit in kleinen Partien | ja, in aller Regel |
| Abrasch beweist Pflanzenfarbe | nein |
| Abrasch gibt es nur bei gefärbter Wolle | nein, auch bei ungefärbter |
| Abrasch ist ein Mangel | nein, normale Eigenschaft |
Abrasch beim Kauf: worauf man achten kann
Auf Fotos ist Abrasch je nach Licht mal stärker, mal schwächer zu sehen. Wer einen Teppich mit sehr gleichmäßigen Flächen sucht, sollte die Bilder genau anschauen und bei Bedarf nachfragen. Wer Lebendigkeit mag, findet in sanften Farbbändern genau das.
Abrasch bleibt, wie es ist. Es verschwindet nicht durch Waschen oder Sonne. Was sich über die Jahre ändert, ist das Gesamtbild: Pflanzenfarben werden in starker Sonne langsam weicher, darum hilft ein Platz ohne ständige direkte Mittagssonne.
Häufige Fragen
Was bedeutet Abrasch beim Teppich?
Sanfte Farbwechsel innerhalb einer Fläche, meist als quer laufende Streifen. Sie entstehen durch Garn aus verschiedenen kleinen Farbbädern oder Wollpartien.
Sieht man Abrasch auf den Fotos?
Meist ja, je nach Licht mal mehr, mal weniger. Bei einem bestimmten Teppich hilft eine kurze Nachricht mit der Frage nach den Farbflächen.
Gibt es Abrasch auch bei ungefärbten Teppichen?
Ja. Die Naturfarben der Schafe schwanken von Vlies zu Vlies, und handgesponnenes Garn verstärkt das.
Verschwindet Abrasch mit der Zeit?
Nein, die Farbbänder bleiben. Sie gehören zum Teppich wie seine Muster.
