Woran erkennt man einen handgewebten Kelim?
Ein handgewebter Kelim zeigt auf beiden Seiten dasselbe Muster, seine Fransen sind die Enden der Kettfäden und keine angenähte Borte, und er ist nie ganz gleichmäßig. Die Breite schwankt leicht, Farbtöne wechseln in Streifen, an senkrechten Farbgrenzen gibt es kleine Schlitze. Ein einzelnes Merkmal ist kein Beweis, mehrere zusammen ergeben ein klares Bild.
Die sieben Merkmale im Überblick
Für die ersten fünf Punkte reicht ein genauer Blick, für die letzten beiden nimmt man den Teppich am besten in die Hand. Am leichtesten ist es bei Tageslicht und mit dem Teppich flach auf dem Boden.
- Fransen: Sie wachsen aus dem Gewebe heraus, weil sie die Kettfäden sind. Angenähte Fransen sind ein Zeichen für Maschinenware.
- Rückseite: Bei einem Flachgewebe zeigt sie dasselbe Muster wie die Vorderseite, nur mit kleinen Unterschieden.
- Form: Die Breite schwankt über die Länge um einige Zentimeter, die Seiten sind nicht schnurgerade.
- Abrasch: Farbtöne wechseln leicht in Querstreifen, weil Garn in kleinen Mengen gefärbt oder gesponnen wurde.
- Schlitze: An senkrechten Farbgrenzen sitzen kleine Öffnungen im Gewebe, typisch für die Schlitzwirkerei.
- Kanten: Die Längsseiten sind vom Schuss umwickelt, nicht mit einer Maschinennaht eingefasst.
- Garn: Handgesponnene Wolle ist mal etwas dicker, mal dünner, das zeigt sich in leicht unruhigen Schusslinien.
Warum sind die Fransen so aussagekräftig?
Ein Kelim wird auf gespannten Kettfäden gewebt. Wenn er vom Webstuhl kommt, werden diese Fäden abgeschnitten und meist zu Fransen verknotet. Fasst man eine Franse an und folgt ihr, verschwindet sie im Gewebe.
Bei maschinell hergestellten Teppichen werden Fransen oft als fertiges Band an die Kante genäht. Man erkennt das an einer Naht quer über die Schmalseite. Fehlende Fransen sagen dagegen wenig, sie können auch eingewebt oder umgeschlagen sein.
Handgewebt oder maschinell: der Vergleich
Viele Teppiche im Kelim-Stil sind maschinell gewebt oder bedruckt. Die Tabelle zeigt typische Unterschiede. Sie sind Hinweise, keine Prüfung.
| Merkmal | handgewebter Kelim | maschinelle Ware |
|---|---|---|
| Fransen | Enden der Kettfäden | oft angenäht |
| Rückseite | fast wie die Vorderseite | anderes Bild, Raster oder verklebter Rücken |
| Form | kleine Abweichungen in Breite und Kante | exakt rechteckig |
| Farbe | leichte Tonwechsel in Streifen | völlig gleichmäßig |
| Garn | feine Unterschiede in Dicke und Drehung | überall gleich dick |
| Muster | Motive wiederholen sich nie ganz identisch | Wiederholungen exakt gleich |
Sind Unregelmäßigkeiten ein Mangel?
Nein. Eine leichte Welle, eine etwas schmalere Stelle oder ein Motiv, das am Ende enger wird, weil der Platz knapp wurde, gehören zur Handarbeit. Sie entstehen, weil Weberinnen und Weber Reihe für Reihe nach Gefühl arbeiten, nicht nach einer Maschine.
Anders ist es mit Schäden: offene lange Schlitze, lose Schussfäden, beschädigte Kanten oder fehlende Fransenknoten. Die sollte ein Händler nennen und zeigen. Falten vom Versand legen sich dagegen nach ein paar Tagen flach auf dem Boden.
Kann man Pflanzenfarben mit bloßem Auge erkennen?
Nicht sicher. Abrasch zeigt, dass in kleinen Mengen gefärbt wurde, kommt aber auch bei synthetischen Farben vor. Sehr grelle, völlig gleichmäßige Lila-, Pink- oder Orangetöne deuten eher auf synthetische Farbstoffe hin, sind aber ebenfalls kein Beweis.
Eindeutig klärt das nur eine Laboranalyse. Im Alltag verlässt man sich deshalb auf die Angaben des Händlers. Bei Kelimin stützen wir die Angabe „mit Pflanzen gefärbt“ auf die Angaben zu jedem einzelnen Teppich, etwa Krapp für Rot, Indigo für Blau oder Reseda für Gelb.
Was gilt für die Kelims bei Kelimin?
Alle Kelims bei Kelimin sind von Hand gewebt, aus handgesponnener Wolle, Kette und Schuss aus 100 % Schurwolle, ohne chemische Ausrüstung. Jedes Stück ist ein Einzelstück, mit genau den kleinen Unregelmäßigkeiten, die diese Seite beschreibt.
Häufige Fragen
Ist ein handgewebter Kelim immer gerade?
Nein. Kleine Abweichungen in Breite und Kante sind normal, deshalb werden Größen meist als ungefähre Maße angegeben.
Riecht ein handgewebter Kelim anders?
Unbehandelte Wolle riecht anfangs leicht nach Schaf, das kommt vom Lanolin. Nach zwei bis drei Tagen an frischer Luft ist der Geruch meist weg. Ein muffiger Geruch ist dagegen nicht normal.
Woran erkenne ich handgesponnene Wolle?
Am Garn: Es ist nicht überall gleich dick und gleich gedreht. Im fertigen Kelim zeigt sich das als leicht unruhige Schusslinien und feine Tonwechsel, auch in ungefärbter Wolle.
Sind Schlitze in einem Kelim ein Fehler?
Kurze Schlitze an senkrechten Farbgrenzen gehören zur Technik. Nur ein langer Schlitz, der sich unter Zug öffnet, wird mit ein paar Stichen geschlossen.
