Was ist ein Kelim?
Ein Kelim ist ein flach gewebter Teppich ohne Flor und ohne Knoten. Das Muster entsteht allein aus farbigen Schussfäden, die so dicht über die Kettfäden geschlagen werden, dass die Kette darunter verschwindet. Deshalb ist ein Kelim dünn, leicht und meist auf beiden Seiten gleich. Traditionell wird er von Hand aus Wolle gewebt, oft mit geometrischen Mustern.
Woraus besteht ein Kelim?
Jedes Gewebe hat zwei Fadensysteme. Die Kettfäden sind längs im Webstuhl gespannt, die Schussfäden laufen quer, immer abwechselnd über und unter einem Kettfaden hindurch. Beim Kelim wird jeder Schuss fest nach unten angeschlagen, bis nur noch die Schussfäden zu sehen sind. Fachleute nennen das Schussrips.
Das klassische Material ist Wolle. Manche Kelims haben eine Kette aus Baumwolle, dann ist der Teppich nicht mehr reine Wolle. Bei Kelimin sind Kette und Schuss aus Wolle, handgesponnen, 100 % Schurwolle und ohne chemische Ausrüstung.
Was unterscheidet einen Kelim von einem Knüpfteppich?
Bei einem Knüpfteppich wird um die Kettfäden Reihe für Reihe ein kleiner Knoten aus Garn geknüpft. Die Enden werden abgeschnitten und bilden den Flor, die weiche Oberfläche. Ein Kelim hat diese Schicht nicht. Er ist ein reines Gewebe, und genau daraus ergeben sich seine typischen Eigenschaften.
| Merkmal | Kelim | Knüpfteppich |
|---|---|---|
| Aufbau | nur Kette und Schuss | Kette, Schuss und Knoten |
| Oberfläche | flach, ohne Flor | Flor aus abgeschnittenen Knotenenden |
| Dicke und Gewicht | dünn und leicht | dicker und schwerer |
| Seiten | meist beide Seiten gleich | eine Schauseite |
| Muster | meist geometrisch, gestuft | auch runde und feine Formen möglich |
Warum sind Kelim-Muster meist geometrisch?
Das liegt an der Technik. Wo zwei Farben aneinanderstoßen, wendet jeder Schussfaden an seinem letzten Kettfaden und läuft zurück. Verläuft diese Grenze senkrecht, entsteht ein kleiner Schlitz im Gewebe. Lange senkrechte Schlitze würden den Teppich schwächen.
Darum bauen Weberinnen und Weber ihre Formen gern aus Diagonalen und kleinen Stufen auf. So entstehen Rauten, Dreiecke, Zickzacklinien und Haken, die für Kelims so typisch sind. Die Schlitze selbst sind kein Fehler, sondern ein Zeichen dieser Webart.
Was macht einen Kelim im Alltag praktisch?
Ein Kelim ist leicht genug, um ihn zum Ausschütteln nach draußen zu tragen, und lässt sich für einen Umzug einfach aufrollen. Wolle bringt zusätzlich etwas mit: Das natürliche Wollfett Lanolin hält Schmutz eine Weile an der Oberfläche fest, sodass er sich gut absaugen lässt.
- beidseitig nutzbar: wenden verteilt Abnutzung und Licht gleichmäßig
- flach: Stühle gleiten leicht darüber, Türen schleifen seltener
- leicht: schnell gerollt, ausgeschüttelt oder umgelegt
- vielseitig: auf dem Boden, über dem Sofa oder an der Wand
- gut zu wissen: auf glattem Boden braucht er eine rutschfeste Unterlage
Wofür wurden Kelims früher genutzt, und wofür heute?
Traditionell waren Kelims bei Nomaden und in Dörfern Gebrauchsstücke: Bodenbelag, Decke, Vorhang, Wandbehang oder genäht zu Taschen und Kissen. Gewebt wurde, was der Alltag brauchte, und die Muster wurden seit Jahrhunderten von einer Generation an die nächste weitergegeben.
Heute liegt ein Kelim im Wohnzimmer, vor dem Bett, im Flur oder hängt als Bild aus Wolle an der Wand. Weil er flach ist, passt er gut unter einen Esstisch oder in Räume, in denen ein dicker Teppich stören würde.
Kelim, Kilim oder Kelim-Teppich: was ist richtig?
Alle Formen meinen dasselbe. Im Deutschen ist „Kelim“ üblich, im Englischen „kilim“. „Kelim-Teppich“ ist doppelt gemoppelt, wird aber oft gesucht und ist nicht falsch. Wichtiger als der Name ist die Technik: flach gewebt, ohne Knoten, ohne Flor.
Häufige Fragen
Ist ein Kelim robust?
Ja, ein dicht gewebter Kelim aus Wolle hält bei normaler Pflege viele Jahre. Regelmäßig absaugen ohne Bürstwalze und ab und zu wenden reicht im Alltag.
Kann man einen Kelim von beiden Seiten benutzen?
Ein flach gewebter Kelim sieht auf beiden Seiten fast gleich aus und kann gewendet werden. Gabbeh und Gabbeh-Kelim haben dagegen Flor und nur eine Schauseite.
Warum riecht ein neuer Kelim nach Wolle?
Der leichte Geruch kommt vom Lanolin in unbehandelter Wolle. Nach zwei bis drei Tagen an frischer Luft ist er verflogen.
Rutscht ein Kelim?
Auf glattem Boden ja, weil er dünn und leicht ist. Eine Unterlage aus Filz und Naturkautschuk, etwas kleiner als der Teppich, hält ihn gut an seinem Platz.
