Warum kann man einen Kelim von beiden Seiten nutzen?
Ein flacher Kelim hat keinen Flor und keine Knoten. Sein Muster besteht nur aus den farbigen Schussfäden, die durch das ganze Gewebe laufen und auf beiden Seiten sichtbar sind. Deshalb sieht die Rückseite fast genauso aus wie die Vorderseite. Man kann ihn wenden, um Abnutzung und Licht gleichmäßig zu verteilen, und bekommt so zwei Seiten in einem Teppich.
Warum sehen beide Seiten gleich aus?
Beim Kelim liegt das Muster im Gewebe selbst. Jeder Schussfaden läuft abwechselnd über und unter den Kettfäden hindurch und wird so dicht angeschlagen, dass die Kette verschwindet. Was oben rot ist, ist unten an derselben Stelle ebenfalls rot.
Ein Knüpfteppich funktioniert anders. Dort sitzt das Muster in den Knoten, deren Enden nach oben stehen und den Flor bilden. Die Unterseite zeigt nur die Knotenrücken und das Grundgewebe, sie ist keine zweite Schauseite.
Gibt es trotzdem Unterschiede zwischen den Seiten?
Ja, kleine. Wo ein Faden zu Ende geht oder eine neue Farbe beginnt, kann auf einer Seite ein kurzes eingewebtes Fadenende zu sehen sein. Manchmal wirkt eine Seite auch etwas satter, weil sie weniger Licht abbekommen hat.
Das ist normal und kein Fehler. Viele Menschen haben eine Lieblingsseite und drehen den Kelim trotzdem ab und zu um, damit beide gleichmäßig altern.
Was bringt es, einen Kelim zu wenden?
Ein Teppich wird nicht überall gleich beansprucht. An der Tür, vor dem Sofa oder unter dem Schreibtischstuhl läuft man mehr als in der Ecke. Starkes Sonnenlicht bleicht Pflanzenfarben und Naturwolle mit der Zeit etwas aus. Wer wendet und dreht, verteilt beides auf die ganze Fläche.
- alle paar Monate um 180 Grad drehen: die stark begangene Stelle wechselt
- ab und zu auf die andere Seite wenden: beide Seiten tragen sich gleichmäßig ab
- bei der Gelegenheit beide Seiten absaugen, ohne Bürstwalze
- nach dem Wenden kurz die Unterlage prüfen und glatt ausrichten
- bei Sonne im Raum öfter wenden, damit das Licht nicht immer dieselbe Seite trifft
Welche Teppiche sind nicht doppelseitig?
Doppelseitig ist nur der flache, gewebte Kelim. Sobald Flor oder eine Stickerei dazukommt, gibt es eine klare Oberseite.
| Art | Doppelseitig? | Warum |
|---|---|---|
| Kelim (Flachgewebe) | ja | Muster aus dem Schuss, auf beiden Seiten sichtbar |
| Gabbeh | nein | geknüpft, langer Flor auf einer Seite |
| Gabbeh-Kelim | nein | kurzer Flor oder Florflächen auf einer Seite |
| Bestickter Kelim | nein | die Stickerei liegt auf der Schauseite |
| Knüpfteppich | nein | Flor aus Knoten auf einer Seite |
Wo hilft die zweite Seite im Alltag?
Im Flur, im Eingang und unter dem Esstisch wird ein Teppich stark beansprucht. Hier zahlt sich die zweite Seite am meisten aus, weil man die Abnutzung auf doppelte Fläche verteilt.
An der Wand ist es ein schöner Nebeneffekt: Ein Kelim kann ohne sichtbare Rückseite aufgehängt und später andersherum wieder aufgehängt werden. Und weil er leicht ist, ist das Wenden auch bei größeren Stücken schnell gemacht.
Sind alle Kelims bei Kelimin doppelseitig?
Jeder flach gewebte Kelim bei Kelimin ist doppelseitig, bestickte Stücke ausgenommen: Dort liegt die Stickerei auf der Schauseite. Unsere Gabbehs und Gabbeh-Kelims haben Flor und deshalb eine Schauseite. Ein Blick auf die Art des Teppichs genügt also, um zu wissen, ob er sich wenden lässt.
Häufige Fragen
Welche Seite eines Kelims ist oben?
Bei einem flachen Kelim gibt es keine feste Oberseite. Man legt die Seite nach oben, die einem besser gefällt, und wechselt ab und zu.
Wie oft sollte man einen Kelim wenden?
Eine feste Regel gibt es nicht. Alle paar Monate drehen und gelegentlich wenden reicht für eine gleichmäßige Abnutzung.
Ist ein Gabbeh auch doppelseitig?
Nein. Ein Gabbeh ist geknüpft und hat einen langen Flor auf einer Seite. Er wird nur gedreht, nicht gewendet.
Rutscht ein Kelim nach dem Wenden mehr?
Nicht, wenn eine rutschfeste Unterlage darunter liegt. Nach dem Wenden einfach Teppich und Unterlage wieder sauber übereinanderlegen.
