Indigo: wie das Blau in die Wolle kommt
Indigo ist ein blauer Farbstoff aus den Blättern von Indigopflanzen. Er löst sich nicht in Wasser, darum wird er in einer Küpe erst in eine lösliche, gelbliche Form gebracht. Die Wolle wird eingetaucht, kommt gelbgrün heraus und wird an der Luft innerhalb von Minuten blau. Je öfter man taucht, desto dunkler das Blau. Eine Beize braucht Indigo nicht.
Woher kommt Indigo?
Indigo steckt in den Blättern verschiedener Pflanzen, am bekanntesten sind die Indigopflanzen (Indigofera) und der Färberwaid. In der frischen Pflanze ist der Farbstoff noch farblos gebunden. Erst durch Einweichen, Gären und Luft entsteht das blaue Pigment.
Das Ergebnis ist ein Pulver oder ein fester Block, der fast reiner blauer Farbstoff ist. Er ist sehr lange haltbar und wurde deshalb schon vor Jahrhunderten weit gehandelt.
Was ist eine Küpe?
Indigo ist ein Küpenfarbstoff. Das heißt: Er ist in Wasser unlöslich und würde einfach auf der Faser liegen und abreiben. In der Küpe wird dem Farbstoff Sauerstoff entzogen. Dadurch wird er löslich und färbt das Bad gelbgrün statt blau.
In dieser Form dringt er in die Wolle ein. Sobald das Garn wieder an die Luft kommt, nimmt der Farbstoff Sauerstoff auf, wird wieder unlöslich und sitzt nun fest in der Faser. Das ist der Grund, warum Indigo ohne Beize auskommt.
Wie wird Wolle mit Indigo gefärbt?
Indigofärben ist Geduldsarbeit. Ein einzelnes Eintauchen gibt nur ein helles Blau, die Tiefe kommt durch Wiederholen.
- Die Küpe ansetzen: Indigo wird in einem warmen Bad gelöst und reduziert, bis die Flüssigkeit gelbgrün ist.
- Das nasse Garn langsam eintauchen, ohne Luft hineinzurühren.
- Herausheben: Das Garn ist zuerst gelbgrün.
- An der Luft hängen lassen: In wenigen Minuten wird es grün und dann blau.
- Wiederholen: Jeder weitere Durchgang macht das Blau dunkler.
- Spülen und trocknen, damit lose Farbreste abgehen.
Hellblau, Dunkelblau, Grün: was Indigo alles kann
Mit einem einzigen Farbstoff entsteht die ganze Blauskala. Wenige Tauchgänge geben Himmelblau, viele ein tiefes Nachtblau. Weil jede Partie Garn ein wenig anders oft und anders lange getaucht wird, zeigt Indigo im Teppich oft sanfte Farbwechsel.
Grün entsteht, wenn Indigo und ein Gelb zusammenkommen. In unseren Kelims ist das Reseda: Das Garn wird gelb gefärbt und mit Indigo überfärbt, oder umgekehrt. Auch sonst ungefärbte Stücke können einzelne Akzente in Indigoblau tragen, etwa eingestickte Motive auf naturbelassener Wolle.
| Kombination | Ergebnis |
|---|---|
| Indigo, wenige Tauchgänge | Hellblau, Himmelblau |
| Indigo, viele Tauchgänge | Dunkelblau, Nachtblau |
| Reseda gelb, dann Indigo | Grün, je nach Anteil gelblich bis bläulich |
Worauf achten Färber bei Wolle?
Wolle ist eine Eiweißfaser und empfindlicher als Baumwolle. Zu viel Hitze und eine zu scharfe, laugige Küpe würden sie angreifen. Deshalb wird Wolle in einer milderen Küpe gefärbt und behutsam bewegt.
Wichtig ist auch das Spülen am Ende. Indigo, das nur außen auf der Faser liegt und nicht fest gebunden ist, reibt sonst später ab. Gründlich gespültes Garn färbt deutlich weniger ab als Garn, das nur kurz ausgewaschen wurde.
Was bedeutet Indigo für die Pflege?
Indigo ist recht lichtbeständig, ein Platz ohne Dauersonne schadet trotzdem nicht. Die Schwachstelle ist Reibung bei Nässe: Indigo kann im nassen Zustand etwas abfärben, besonders wo Blau an Weiß grenzt.
Darum gilt wie bei allen pflanzengefärbten Teppichen: Flecken mit einem weißen Tuch abtupfen, nur kaltes oder lauwarmes Wasser, nicht reiben, nicht einweichen. Vor einer gründlichen Reinigung ein feuchtes weißes Tuch an einer versteckten Stelle testen.
Häufige Fragen
Warum braucht Indigo keine Beize?
Weil der Farbstoff in der Küpe gelöst in die Faser eindringt und an der Luft wieder unlöslich wird. Er sitzt dann in der Faser fest, ohne Mineralsalz als Brücke.
Warum ist frisch gefärbte Wolle zuerst grün?
In der Küpe ist Indigo gelblich. Beim Herausheben mischt sich das Gelb mit dem entstehenden Blau zu Grün, bis der Farbstoff ganz zu Blau oxidiert ist.
Färbt Indigo ab?
Trocken kaum. Nass und unter Reibung kann es etwas abgeben, darum Flecken nur abtupfen und kalt behandeln.
Wie entsteht Grün im Kelim?
Durch zwei Farbbäder: Gelb aus Reseda und Blau aus Indigo übereinander. Das Verhältnis bestimmt, ob das Grün eher gelblich oder bläulich wird.
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