Was ist Schurwolle und warum ist sie gut für Teppiche?
Schurwolle ist Wolle, die direkt vom Schaf kommt und vorher noch nie in einem fertigen Produkt steckte. Sie wurde nur so weit verarbeitet, wie es für das neue Stück nötig ist, also gesponnen, und nicht faserschädigend behandelt. Für Teppiche ist das ideal: Die Fasern sind lang, elastisch und intakt, enthalten natürliches Wollfett und halten viele Jahre Belastung aus.
Was bedeutet Schurwolle genau?
Der Begriff ist gesetzlich geregelt. Die EU-Textilkennzeichnungsverordnung (Nr. 1007/2011) erlaubt „Schurwolle“ nur für Wolle, die nie Bestandteil eines fertigen Erzeugnisses war und keine andere Verarbeitung erfahren hat als die, die für das neue Produkt nötig ist. Wolle, die aus alten Pullovern oder Stoffresten zurückgewonnen wurde, darf also nicht so heißen.
Im Alltag versteht man unter Schurwolle außerdem Wolle, die vom lebenden Schaf geschoren wurde. Beides zusammen beschreibt, worum es geht: frische, unverbrauchte Faser in voller Länge.
Schurwolle, Wolle, Schafwolle: welche Begriffe sind erlaubt?
Auf dem Etikett eines Textils dürfen nur die offiziellen Faserbezeichnungen stehen. Für Wolle sind das „Wolle“ und „Schurwolle“. „Schafwolle“ klingt vertraut, ist aber keine zugelassene Angabe für die Zusammensetzung. Wer genau wissen will, was drin ist, schaut deshalb auf die Faserangabe, nicht auf Werbeworte.
| Angabe | Was sie bedeutet |
|---|---|
| Schurwolle | Neue Wolle, nie in einem fertigen Produkt verwendet, nicht faserschädigend behandelt |
| Wolle | Wolle vom Schaf, kann auch wiederverwertet sein |
| 100 % Schurwolle | Die angegebene Faser ist ausschließlich Schurwolle; nur technisch unvermeidbare Fremdfasern bis 0,3 % sind zulässig |
| Schafwolle | Umgangssprache, keine offizielle Faserbezeichnung |
Warum lohnt beim Teppich ein Blick auf die Kette?
Bei Teppichen bezieht sich die Faserangabe nach der EU-Verordnung auf die Nutzschicht, also die Fläche, auf der man läuft. Bei vielen Teppichen sind die Kettfäden, also die längs gespannten Grundfäden, aus Baumwolle. Dann ist der Teppich kein reiner Wollteppich, auch wenn man oben nur Wolle sieht.
Ein Blick auf die Fransen hilft: Sie sind die Enden der Kettfäden. Wollfransen wirken etwas rauer und matter, Baumwollfransen glatter und oft heller. Bei Kelimin sind Kette und Schuss bei jedem Teppich aus Wolle, die Kelims und Gabbehs bestehen aus 100 % Schurwolle.
Was macht Schurwolle für Teppiche so geeignet?
Ein Teppich wird jeden Tag betreten, geschoben und belastet. Schurwolle bringt dafür Eigenschaften mit, die keine Kunstfaser in dieser Kombination hat.
- Elastisch: Die gekräuselte Faser federt nach Druck zurück, Laufspuren und Möbelabdrücke erholen sich.
- Lange, intakte Fasern: Weil die Wolle nicht schon einmal verarbeitet wurde, ist sie reißfester als wiederverwertete Wolle.
- Natürliches Wollfett: Lanolin hält Schmutz und Flüssigkeit eine Weile an der Oberfläche, sodass man sie leichter entfernen kann.
- Feuchtigkeit: Wolle nimmt Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und gibt sie wieder ab, ohne sich nass anzufühlen.
- Brennt schlecht: Wolle entzündet sich schwerer als viele Kunstfasern und schmilzt nicht. Einen geprüften Brandschutz ersetzt das nicht.
- Färbt gut: Wolle nimmt Pflanzenfarben tief auf, deshalb leuchten Krapp, Indigo und Reseda auf Wolle besonders klar.
Woran erkennt man gute Schurwolle im Teppich?
Am besten fährt man mit der flachen Hand über die Oberfläche: Gute Wolle fühlt sich griffig und lebendig an, leicht fettig, nicht glatt wie Kunststoff. Ein neuer Wollteppich darf ein wenig nach Wolle riechen. Das kommt vom Lanolin und verfliegt nach zwei bis drei Tagen an der frischen Luft.
Bei handgesponnener Wolle sieht man feine Unterschiede in der Fadenstärke. Im Flachgewebe zeigen sich dadurch leicht unregelmäßige Schusslinien. Das ist kein Fehler, sondern ein Zeichen dafür, dass der Faden nicht aus der Maschine kommt.
Was ist Schurwolle nicht?
Schurwolle sagt nichts über die Färbung, die Haltung der Schafe oder eine Zertifizierung aus. Sie ist auch kein Gütesiegel. Ob ein Teppich mit Pflanzen gefärbt oder ungefärbt ist und ob die Wolle chemisch ausgerüstet wurde, sind eigene Fragen. Bei Kelimin ist die Wolle handgesponnen und ohne chemische Ausrüstung; die farbigen Teppiche sind mit Pflanzen gefärbt, die naturbelassenen zeigen die Naturfarben der Schafe.
Häufige Fragen
Ist Schurwolle dasselbe wie Merinowolle?
Nein. Merino ist eine Schafrasse mit sehr feiner Wolle, Schurwolle beschreibt nur, dass die Wolle neu und nicht wiederverwertet ist. Für Teppiche nimmt man meist kräftigere, robustere Wolle als für Pullover.
Kratzt ein Teppich aus Schurwolle?
Teppichwolle ist kräftiger als Kleidungswolle, unter den Füßen fühlt sie sich aber angenehm griffig an. Barfuß stört das die wenigsten.
Schützt Schurwolle vor Motten?
Nein. Mottenlarven fressen jede Wolle, auch Schurwolle. Am besten schützt ein Teppich, der regelmäßig benutzt und abgesaugt wird.
Darf ein Teppich mit Baumwollkette „100 % Schurwolle“ heißen?
Bei Teppichen bezieht sich die Faserangabe auf die Nutzschicht, eine Baumwollkette muss darin in der Regel nicht auftauchen. Wer reine Wolle möchte, fragt deshalb nach der Kette. Bei Kelimin sind Kette und Schuss aus Wolle.
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