Granatapfelschale als Färbemittel
Die getrocknete Schale des Granatapfels enthält viele Gerbstoffe und gelbe Farbstoffe. Ausgekocht färbt sie Wolle mit Alaun gelblich bis khaki. Mit Eisen reagieren die Gerbstoffe und die Töne werden grau, graugrün oder dunkel. So entstehen viele ruhige Khaki- und Grautöne in pflanzengefärbten Kelims. Diese Flächen mögen sanfte Pflege: kaltes Wasser, kein Ausklopfen mit Kraft.
Warum färbt ausgerechnet eine Fruchtschale?
Die ledrige Schale des Granatapfels ist reich an Gerbstoffen, auch Tannine genannt. Dazu kommen gelbe Farbstoffe. Beides löst sich beim Auskochen und geht ins Garn über.
Gerbstoffe sind beim Färben doppelt nützlich. Sie geben selbst Farbe, und sie helfen anderen Farbstoffen, auf der Faser zu haften. Mit Eisen bilden sie dunkle Verbindungen: dasselbe Prinzip, nach dem früher Eisengallustinte gemacht wurde.
Wie färbt man mit Granatapfelschale?
Die Schalen werden nach dem Essen der Frucht getrocknet und zerkleinert. Aus ihnen wird ein Sud gekocht, in den das Garn gelegt wird. Die Beize entscheidet über die Richtung des Tons.
- Schalen trocknen, zerstoßen und in Wasser einweichen.
- Den Sud langsam auskochen und abseihen.
- Für Gelb und Khaki: Garn vorher mit Alaun beizen und im Sud färben.
- Für Grau: Garn im Sud färben und danach in ein Bad mit Eisen geben. Der Ton dunkelt dabei sichtbar nach.
- Gründlich spülen und an der Luft trocknen.
Welche Farben entstehen?
Granatapfel ist kein Farbstoff für knallige Töne. Seine Stärke sind die ruhigen Farben, die einen bunten Kelim zusammenhalten: Sand, Khaki, Oliv und Grau. Wie dunkel es wird, hängt von der Menge der Schale und vom Eisen ab.
Im Teppich wirken diese Töne oft als Ruhepol. Sie rahmen leuchtendes Krapprot und Indigoblau und lassen die Muster klarer hervortreten. Weil jedes Bad anders ausfällt und Eisen den Ton stark verschiebt, schwanken gerade Khaki und Grau von Strang zu Strang. So entsteht Abrasch, ein sanfter Farbwechsel in der Fläche.
| Beize | Typischer Ton |
|---|---|
| Alaun | warmes Gelb, Sand, helles Khaki |
| wenig Eisen | Khaki, Graugrün, Oliv |
| mehr Eisen | Grau bis Dunkelgrau |
Eisen und Gerbstoff: warum diese Flächen Schonung mögen
Die Verbindung aus Eisen und Gerbstoff hat eine bekannte Nebenwirkung. Über Jahrzehnte macht sie die Wollfaser langsam spröder. In sehr alten Teppichen sind die grauen, braunen und schwarzen Flächen deshalb oft stärker abgetreten als der Rest.
In einem neuen Teppich ist das kein Mangel, sondern ein langsamer Vorgang über viele Jahre. Mit etwas Rücksicht bleibt die Wolle lange stabil:
- Kein heißes Wasser und kein Dampfreiniger.
- Keine alkalischen Teppichshampoos, nur wenig pH-neutrales Wollwaschmittel, wenn überhaupt.
- Ausklopfen nur sanft, nie kräftig auf dunkle Flächen schlagen.
- Saugen ohne rotierende Bürste, nur mit Saugkraft.
Walnussschale: die Schwester für Braun
Ähnlich arbeitet die grüne Fruchtschale der Walnuss. Auch sie ist reich an Gerbstoffen und färbt Wolle braun, von Hellbraun bis zu tiefem Schokobraun. Für die Pflege gilt bei Walnussbraun dasselbe wie bei Granatapfelgrau.
Bei Kelimin kommen gefärbte Khaki- und Grautöne in den pflanzengefärbten Kelims aus Granatapfelschale, bei einem Teil davon mit Eisen gebeizt. Braun aus Walnussschale ist seltener. Was in einem Teppich steckt, ist für jedes Stück festgehalten.
Häufige Fragen
Welche Farbe gibt Granatapfelschale?
Mit Alaun gelbliche Töne bis Khaki, mit Eisen Graugrün, Grau und Dunkelgrau.
Warum wird Granatapfelfarbe mit Eisen grau?
Die Gerbstoffe der Schale reagieren mit Eisen zu dunklen Verbindungen. Je mehr Eisen, desto grauer und dunkler wird der Ton.
Braucht Granatapfelschale eine Beize?
Dank ihrer Gerbstoffe haftet sie auch ohne Beize etwas auf Wolle. Für kräftige und haltbare Töne wird aber meist mit Alaun oder Eisen gebeizt.
Sind die grauen Flächen empfindlicher?
Über Jahrzehnte etwas, weil Eisen und Gerbstoff die Faser langsam spröder machen. Kaltes Wasser, keine Lauge und kein kräftiges Ausklopfen halten sie lange gut.
Kann man Granatapfelschale aus der Küche zum Färben nehmen?
Grundsätzlich ja: Getrocknete Schalen geben im Sud Farbe ab. Für haltbare Ergebnisse auf Wolle braucht es aber eine Beize.
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